Helloween - The Dark Ride
HELLOWEEN - The Dark Ride
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Ihr als Power Metal Fans kennt das bestimmt doch auch. Ihr diskutiert mit Gleichgesinnten über Helloween, die Erfinder dieses Genres, und irgendwann fällt der Name „The Dark Ride“. Okay, normalerweise fällt zuerst der Name Andi Deris und meistens müsst ihr euch dann erst mal eine Hasstirade auf Andi und eine Lobhymne auf Michi anhören. Aber gehen wir mal davon aus ihr habt tolerante Fans gefunden und ihr werdet nicht von 10 Mann verprügelt nur weil ihr Andi mögt. Irgendwann fällt wie gesagt der Name „The Dark Ride“. Und ab da gibt es dann Zwei Möglichkeiten: entweder liebt euer Gegenüber das Album oder es ist für ihn das schlechteste Album der Band nach „Chameleon“ (immer daran denken, wir reden hier von toleranten Fans und nicht von Hirnlosen Fanboys für die Kiske die Wiedergeburt Jesu ist). Ich gehöre zu ersten Gruppe. Aber wieso zählt dieses Album zu den kontroversesten Alben der Bandgeschichte?
Drehen wir die Zeit mal ein bisschen zurück. Wir befinden uns im Frühjahr 2000. Helloween hat mit den letzten 3 Alben jedem gezeigt, das Andi Deris ein würdiger Nachfolger ist (Außer natürlich den Kiske Fanboys. Aber da die ihr Hirn sowieso nie benutzen ist das auch kein Wunder). Aber innerhalb der Band herrscht dicke Luft. Gitarrist Roland Grapow und Drummer Uli Kusch haben das Ruder an sich gerissen und wollten, das dass neue Helloween Album noch dunkler und moderner wird als der Vorgänger „Better than Raw“. Michael Weikath, seines Zeichens Bandleader und mit Bassist Markus Grosskopf zusammen das letzte Gründungsmitglied der Band (an alle Korinthenkacker dir mir jetzt wieder Blöd kommen wollen: Ich zähle nur die Zeit ab der Helloween auch Helloween hießen. Nicht die Zeit als Gentry, Iron Fist, Secound Hell usw.), gab dann doch nach mit der Bedingung, das dieser stilistische Ausflug nach diesem einen Album beendet wird. Die beiden Jungs stimmten zu und so wurde das Album unter der Aufsicht der Producer Roy Z. (Bruce Dickenson, Halford, Judas Priest, Yngwie Malmsteen, Rob Rock, Sebastian Bach, Andre Matos) und Charlie Bauernfeind (Angra, Blind Guardian, Rage, Primal Fear, HammerFall, Saxon, Gamma Ray) in Teneriffa aufgenommen.
Das Album stellte den 2ten Stilbruch in der Geschichte der Band dar. Zwar ist im Gegensatz zu „Chameleon“ ist der Stil zwar immer noch dem Heavy Metal zuzuordnen, die klassischen Trademarks des Bandsounds wurden allerdings auch bei „The Dark Ride“ weitgehend außen vor gelassen. Die Ausrichtung der meisten Songs ist wie oben erwähnt dunkler und moderner. Nur die 2 Songs die Weikath selbst geschrieben hatte erinnerten an alte Helloween Zeiten. Wenn ihr aber so was in die Richtung Black Metal erwartet, dann werdet ihr enttäuscht sein. Aber dann seid ihr gleichzeitig auch sehr Naiv. Wir reden hier immer noch von Helloween. Wie bei vielen anderen Roy Z Produktionen auch wurden hier die Gitarren runtergestimmt um den Sound noch dunkler zu machen. Und so beginnt das Album auch mit dem düsteren Intro „Beyond the Portal“. Der Opener dieses Albums, „Mr. Torture“, beginnt mit einem Klavier bevor erst der E-Bass, dann die Gitarren und die Drums einsetzen. Ein Song mit thrashigen Strophen, hymnenhaften Chorus und einem nicht ganz ernstzunehmenden Text. Andi hört sich hier noch brutaler als sonst an. Weiter geht es mit „All Over the Nations“, einer der beiden Tracks der von Michael Weikath geschrieben wurden. Im Gegensatz zum rest des Albums ist dieser Song wieder munter und fröhlich. Wie ein typischer Helloween Song eben. Der Song hat einen genialen Refrain, genialen Text und geht leicht ins Ohr. Schön das man versuchte die düstere Stimmung etwas aufzuheitern. Aber das sollte nicht lange anhalten. Denn auf diesen Song folgt der düstere Stampfer „Escalation 666“. Hier kommt wirklich Endzeit Stimmung auf und Andi hat sich in seiner ganzen Karriere (okay, mal abgesehen von „Kill it“ und „The Bells of the Seven Hells“) noch nie so brachial angehört wie hier.
„Mirror, Mirror“ fällt in die selbe Spalte obwohl dieser Song um einiges rockiger ist als sein Vorgänger. Er wäre gerade zu pregestiniert gewesen für ein Musikvideo. Dazu ist es aber leider nie gekommen. Dafür bekam der nächste Song ein Musik Video. Und bei diesem Song handelt es sich um die Powerballade „If I Could Fly“. Geschrieben wurde der Song von Andi Deris und zeigt ganz deutlich wie überlegen dieser doch Michael Kiske ist. *vor der wilden Meute von Kiske Fans mit Fackeln und Heugabeln Flüchte* Der Song beginnt mit einem Piano, welches auch im Refrain zu hören ist. Die Strophen werden von den runter getunten Gitarren und Andis hier recht sanfter Stimme getragen. Der Refrain lädt zum Mitsingen ein. Dieser Song zählt zu den besten Helloween Balladen, wenn man ihn den als eine Zählt (Kein Scherz, ich kenne Leute die mit dir Stundenlang darüber diskutieren ob der Song nun eine Ballade oder ein Klassischer Hard Rock Song ist). „Salvation“ ist der zweite Weikath Song und so auch wieder munter und fröhlich. Und sehr einprägsam. Hört euch den Song 1, 2 mal an und ihr habt ne Ohrwurm. Das treibende „The Departed (Sun is Going Down)“ ist ein Geniestreich von Drummer Uli Kusch und beweist das der Mann ein genialer Songschreiber ist. Der Song beginnt mit einem wiederhallenden Riff, der einem noch lange im Kopf rumschwirren wird. Dann setzen Andis Stimme und atmosphärische Keyboards ein. In den Strophen wird der Song weiter vom Main-Riff getrieben während der Refrain eine große Hymne ist. Der Song ist wirklich schwer zu beschreiben. Er ist sehr episch und eigentlich anders als alles andere, was die Band bis jetzt gemacht hat. Schade das der Song heute nicht mehr gespielt wird.
„I Live for your Pain“ gehört zu den schwächeren Songs des Albums. Der sehr vom Bass geschriebene Mid-Tempo Song ist nach einmaligen hören schnell wieder vergessen. „We Damn the Night“ ist ein schnelles Stück, der teilweise ans erste Album der Hamburger Kürbisse erinnert. Und spätestens jetzt sollte dem Hörer auffallen das so gut wie jeder Refrain eigentlich eine Hymne ist. Das ist aber keine Kritik. Ich liebe diese Hymnen und besonders Helloween schreiben Hymnen wie keine andere Band. „Immortal (Stars)“ ist ein episches Stück welches so eigentlich auch auf dem ersten Masterplan Album drauf sein könnte. Ironisch nur das es von Andi Deris geschrieben wurde und nicht von Grapow und Kusch. Es ist schon fast balladesk. Zum krönenden Abschluss gibt es noch das geniale „The Dark Ride“ mit einem Hammer Intro „All aboard, step right this way, the dark ride is leaving soon, just sign, on the dotted line, all I want, is your soul, tighten your seat belt, and let's GO”. Dieser Song wurde von Roland Grapow komponiert und ist wohl das Highlight dieses Albums. Mit einer Laufzeit von 9 Minuten ist der eine brillante Zurschaustellung von Grapows Fähigkeiten als Komponist und Gitarrist. Das Gitarrensolo kann es mit Yngwie Malmsteen aufnehmen, die Songstruktur kann als progressiv beschrieben werden und die Atmosphäre ist unvergleichbar düster. Pure Genialität die ihres gleichen sucht. Die Bonus Tracks „The Madness of the Crowds“ und „Deliver is from Temptation“ sind beides brachiale und schnelle Speed Metal Nummern bei denen es mich wundert das man sie zu Bonus Tracks degradiert hat.
Das Album gehört also, jedenfalls meiner Meinung nach, zu den besten der Band. Aber unglücklicherweise brachte es auch böse Konsequenzen mit sich. Michael Weikath war von dem Album nicht ganz so begeistert und weil er laut eigener Aussage kaum Gitarren eingespielt hat und sich also überflüssig fühlte, bot er seinen Ausstieg an. Ich finde das ganz ehrlich extrem schwach von Weikath. Denn er wusste ganz genau das weder Grosskopf noch Deris ihn einfach so ziehen lassen würden. So wurden Roland Grapow und Uli Kusch beide nach der Tour zur Promotion des Albums per E-Mail gefeuert. Und auch das finde ich sehr schwach. Man soll es ihnen wenigstens ins Gesicht sagen. Das wäre genau das selbe als wenn man mit seiner Freundin wie SMS Schluss macht anstatt es ihr ins Gesicht zu sagen. Aber wie dem auch sei. Das Album ist genial und ich kann es allen Helloween Fans, die der Band nach dem Weggang von Hansen und später Kiske treu geblieben sind nur ans Herz legen.
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